Warum Unternehmen Personalitys für YouTube, Facebook und Blogs brauchen

23. Mai 2013 | By | Add a Comment
Screenshot: www.duden.de

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Eigentlich ist es ganz simpel: Was mögen wir auf Facebook, YouTube oder in Blogs? Wir mögen es, wenn wir ganz nah an einen Menschen heran kommen. Im Idealfall lernen wir im Laufe der Zeit eine ganze Menge über einen Menschen – kennen seine Vorlieben, seine Schwächen – das macht ihn für uns entweder sympathisch und wir hassen diese Person vielleicht sogar irgendwann. Persönlichkeit in Posts auf Facebook, in YouTube-Videos oder in Blog-Posts durchscheinen zu lassen bedeutet aber auch: Es geht nicht nur um die Vermittlung von Informationen, sondern um das gewisse Etwas darüber hinaus. Und das gilt meiner Ansicht nach auch für die Kommunikation von Unternehmen in den sozialen Medien.

Im privaten Bereich mögen wir es, wenn Postings von Menschen unterhaltsam sind, vielleicht auch mal selbstironisch, wenn eine eigene Haltung oder Meinung erkennbar ist. Wir hassen sie vielleicht dafür, wenn Sie uns mit Angebereien nerven.

Wenn uns Blogger wie Bekannte vorkommen

Das gilt übrigens auch für viele Blogger in den Social Networks – wir kennen ihre Postings, sehen ihre Videos – und mit der Zeit kommen sie uns vor, als seien es gute Bekannte. Warum schaffen es Unternehmen nun häufig nicht, nur ansatzweise eine ähnliche Beziehung über die sozialen Medien aufzubauen? Weil sie nicht oder zu wenig auf Personalitys setzen. Hier und da werden die Posts zumindest namentlich gekennzeichnet – ab und an sind sogar die Mitglieder des Social-Media-Teams auf Fotos zu sehen – aber das reicht nicht! Auch so bleiben die Posts langweilig – eigene Meinung oder so? Häufig Fehlanzeige.

Ähnlich ist es in Videos auf YouTube. Da kann es schonmal vorkommen, dass ein Unternehmen extra einen Moderator engagiert. Der moderiert dann zwar mehr oder weniger professionell alles weg, was man ihm vorbereitet hat, aber es bleibt meist langweilig. Da soll eine Person also für ein Unternehmen auftreten, mit dem es gar nichts zu tun hat? Wie soll er denn eine gewisse Leidenschaft für eine Marke glaubwürdig transportieren, wenn er keinen Bezug zu den Produkten hat und zu den Menschen, die sie herstellen. Klar, es gibt professionelle Moderatoren, die so tun können, als hätten sie eine gewisse Leidenschaft für etwas. Aber das Problem ist: Es ist nicht authentisch.

Klassisches Marketing brauchte Promis von außen

Früher hat das funktioniert im klassischen Marketing. Jahrelang war das Prinzip: Man nehme eine prominente Person, die idealerweise zu der Marke passen könnte. Der übergewichtige Harry Wijnvoord als Werbe-Testimonial für einen Diätdrink – das passte zumindest irgendwie, wenn er auch mit dem Unternehmen nichts weiter zu tun hatte. Thomas Gottschalk hat zumindest eine so unglaubliche Bekanntheit, dass sich Haribo einen positiven Effekt für seine Gummibärchen verspricht.

In den sozialen Medien braucht nun ein Unternehmen keine Promis, die eben auch so gut wie nie verfügbar sind – sondern Personen, die dauerhaft für eine Marke stehen können. Die bei Facebook posten, die in YouTube-Videos zu sehen sind und auch mal Blogbeiträge schreiben. Das Unternehmen muss also selbst Persönlichkeiten aufbauen. Das geht über das hinaus, was der Social Media Manager im Moment im Unternehmen macht. Im Moment geht es Firmen häufig noch zu sehr um die reine Informationsvermittlung auf Facebook & Co.. Oder es wird ein Pseudo-Dialog gestartet. Eine Frage wird gestellt auf Facebook, die Fans einer Marke antworten – aber niemand aus dem Unternehmen greift die Antworten auf. Eigentlich witzlos, oder? Wieso hat überhaupt jemand gefragt?

Personalitys binden an die Marke

Eine Persönlichkeit stellt nun eine zusätzliche Möglichkeit dar, die Nutzer an die Marke zu binden – das wird mit reinen informierenden oder werblichen Posts nicht gelingen. Genauso auf YouTube: Ein Moderator, der nur einen Text vorträgt, den ihm jemand vorher aufgeschrieben hat, ist keine Persönlichkeit, die für ein Unternehmen steht – sondern einfach nur austauschbar. Wir haben im Netz so viel mit authentischen Menschen zu tun, dass wir bei solchen Personen etwas vermissen.

Woher sollen nun diese Persönlichkeiten kommen, die ich fordere? Idealerweise findet sich in einem Unternehmen jemand, der das Talent hat zu so einer Person aufgebaut zu werden. Allerdings erfordert Bloggen oder das Auftreten in Videos auch eine gewisse Erfahrung. Wer hat diese Erfahrung? Zum Beispiel Blogger – die schreiben im Idealfall nicht nur Blog-Posts, kommunizieren auf Facebook & Co. oder sind in Videos zu sehen. Warum als Smartphone-Hersteller nicht also einen Techblogger anwerben, als Modefirma einen Modeblogger, als Restaurantkette einen Foodblogger usw.?

Die Anzahl der Persönlichkeiten, die für ein Unternehmen kommunizieren sollten, sollte extrem begrenzt sein. Weniger ist hier mehr. Bei den meisten Unternehmen sollte es nicht mehr als eine Person sein. Keiner, wie im Moment fast überall, ist aber auf jeden Fall einer zu wenig.

Filed in: Blog, Videomarketing, YouTube | Tags: , ,

About the Author (Author Profile)

Matthias Morr, Jahrgang 1976, berät Unternehmen und trainiert die Mitarbeiter beim Einsatz von Videos und YouTube. Außerdem realisiert er Videoproduktionen als Videojournalist - in Hamburg und bundesweit. Als Referenzprojekte betreibt er zwei sehr erfolgreiche YouTube-Partnerkanäle über Kreuzfahrtschiffe (Schiffstester.de und Cruiseinspector.com). Stationen in früheren Jahren waren u.a. der NDR und Axel Springer Digital TV.

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